| Hamburger Stadtpark-Revival 2008 |
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| Sonntag, den 12. April 2009 um 09:58 Uhr | |||||||||||||
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Stadtpark ohne Stoppuhr Die Besucher der Siegerehrung am Sonntagabend mussten ohne uns auskommen: Nur zum vorletzten Platz in unserer Fahrzeugklasse hat es für meinen Morris Minor und mich gereicht. Für den Kurs des Hamburger Stadtpark-Revivals sperren die Veranstalter jedes Jahr rund 1,7 Kilometer öffentliche Straßen ab. Die zwei Fahrspuren der Saarlandstraße Richtung Norden bilden die Start- und Zielgerade mit der längsten Geradeausstrecke, unterbrochen von einer seit diesem Jahr entschärften Schikane. Nach der Spitzkehre am Jahnring geht es zwei Drittel der Strecke zurück, dann rechts ab in den Südring und zweimal scharf nach links über die Stadthallenbrücke und wieder durch Start und Ziel. Beim ersten Original-Stadtparkrennen 1934 ging es noch über sechs Kilometer durchs Hamburger Grün, damals starteten allerdings ausschließlich Motorräder. Autos standen erst ab 1938 mit auf dem Programm. Während des Krieges schwiegen die Motoren, erst 1947 begann wieder Rennbetrieb auf der nun etwa vier Kilometer langen Strecke. 1949 gewann Petermax Müller mit seinem VW-Eigenbau-Rennwagen. Dieses Auto ließen die Betreiber des Museums Prototyp auch diesmal wieder um die Fahrstrecke flitzen. Für Milly und mich begann das Rennwochenende am Freitagabend. Ab 20 Uhr sollten wir zur Fahrzeugabnahme erscheinen und anschließend unseren Platz im Fahrerlager besetzen. Der Prüfer warf einen kurzen Blick in den Kofferraum und unter die Motorhaube, freute sich über die schöne Originalhupe und winkte uns weiter. Mit den Startunterlagen in der Tasche tuckerten das Auto und ich durch den Hamburger Nieselregen zu unserer Box im Parc Fermé – um dort eine Stunde auf den verspäteten Aufbau unseres Ausstellungszeltes zu warten. Am Samstagmorgen um halb zehn die erste Fahrerbesprechung meines Lebens: Der Rennleiter wandte sich zuerst an die Teilnehmer der Gleichmäßigkeitsprüfungen, die „Postkutschen“. Wir erfuhren unsere anzustrebenden Durchschnittsgeschwindigkeiten und bekamen einen Einführungskurs in Flaggenkunde. Das erste Rennen des Tages für unsere Klasse sollte um kurz vor elf beginnen, der Boxenfunk rief uns aber erst eine Stunde später auf das Vorstart-Gelände. Dort verbrachten meine Frau und ich einigermaßen aufgeregt eine weitere halbe Stunde Verzögerung zwischen zwanzig anderen Oldtimern mit zunehmend genervten Fahrerteams. Endlich fiel die Flagge für die Einführungsrunde: Wir reihten uns gesittet ein, ließen erstmal die Porsches vorbeiziehen und fühlten nach dem Grip auf dem wechselnd feuchten und trockenen Asphalt. Ich versuchte, mir eine Ideallinie einzuprägen, probierte Bremspunkte vor den Kurven und merke an der Spitzkehre, warum Rennautos kleine Lenkräder haben. Ab Runde Zwei durfte Milly losbrausen. Mehr als 60 Miles per hour, das sind knapp 100 Kilometer pro Stunde, mutete ich ihrem alten Motörchen nicht zu. Viel mehr wäre auch nicht gegangen. Das reichte, um den himmelblauen Austin Seven locker hinter uns zu lassen und für den Ford A von 1928. Die Fahrer der beiden BMWs aus den Dreißigern winkten uns wohl eher aus Höflichkeit mal vorbei, aber es sollte ja auf Durchschnitts- statt auf Höchstgeschwindigkeit ankommen. Selbst die hatten wir vom Anfang an abgeschrieben. Nach dem Rennen wurde es Zeit, das Gelände neben der Strecke zu erkunden. Das Publikum fand gute Sicht an jedem Punkt außen neben der Fahrbahn. Ins Infield gelangten die Alteisenjunkies erstmals über eine extra aufgebaute Brücke. An die besten Fotopunkte kamen nur die Kameraträger mit Presseweste, aber die meisten Privatknipser dürften auch so einige brauchbare Bilder in den Kasten bekommen haben. In einer Sackgasse, die an die Streckenführung grenzt, hatten die Veranstalter einen Oldtimerparkplatz eingerichtet. Auf beiden Seiten der 200 Meter standen dicht an dicht Klassiker vom Alfa bis zur Zündapp, nicht wenige mit Zu-verkaufen-Schild an der Scheibe. Im Fahrerlager und rund um die Strecke verkauften Händler Schnickschnack und Regalia für die Fans fast jedes Fabrikats, Oldtimerteile sowie natürlich Bratwürste und Bier. Die Lager der Autos und der Motorräder waren wie immer dem Publikum frei zugänglich, hier kam man den Schätzen ganz nah und die Fahrer stellten sich gern allen Fragen und Kommentaren. Einige schienen immerhin die Party genossen zu haben, denn zur Pflichtveranstaltung Fahrerbesprechung am Sonntag um halb zehn erschien nur etwa die Hälfte der Fahrer. Wer da war, musste sich belehren lassen über obligatorische Matten unter leckenden Motoren und fehlendem Respekt vor gelben Flaggen. Trotz der Rüffel durften alle starten. Milly und ich fühlten uns allmählich routiniert und liehen uns noch einmal eine Praktikantin ohne Uhr als Beifahrerin aus. Erst zum letzten Rennen war meine Frau wieder mit am Start. Sie bremste zwar mal mit, wenn Milly vor der Spitzkehre einfach nicht langsamer werden wollte, hatte aber meist die Augen eher neben als auf der Strecke: „Guck mal, wie der immer winkt, der mag unser Auto!“, zeigte sie mir einen besonders lebhaften Fan. In der Auslaufrunde bekam der einen Extraschlenker und einen Gruß mit der Hupe. Erst da fühlte ich die Straße wie eine Bühne: In diesen viermal fünfzehn Minuten waren wir berühmt, Teil der Show und ein Hingucker für 20.000 Begeisterte. Das wohlige Drücken im Bauch und die wackeligen Beine nach den Rennen schienen Symptome eines nachträglichen Lampenfiebers zu sein. Aufs Siegertreppchen stelle ich mich vielleicht ein andermal. Text: Frank Tiedemann Fotos: Matthias Tegeler
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 13. April 2009 um 04:59 Uhr |
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