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Ein Käferleben

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Der Käfer auf dem Foto ganz unten, stand ab August 1991 im Garten des Käfersammlers Otto Weymann. Der pflanzte je eine Eiche als Wegfahrsperre vor und hinter das Auto. Erst nach Fall der Berliner Mauer wollte er ihn wieder befreien. So blieb er dort 28 Jahre stehen.
Eine andere Geschichte von der Befreiung eines „Brezelkäfers" hat uns "Arno Wahl - FIVA - FAHRZEUGPASS - PRÜFER" geschickt, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Ein Käferleben
Gibt es das? Ein VW Käfer ist nach vielen Jahrzehnten wieder aufgetaucht!
VW war im Jahre 1956 dabei die Welt zu erobern. Von Emden aus fuhren Frachter mit vielen Käfern an Bord in die weite Welt. Damals galt der EXPORT Käfer als die wünschenswerteste Käfer Version. Damit setzte man Akzente und unterstrich die eigene automobile Begeisterung. Der bodenständige, arbeitende Mensch fuhr aber, bei den damaligen Stundenlöhnen kein Wunder, mit Zweirädern oder Kleinwagen, im wahrsten Sinne von geschrumpfter Konstruktion, wenn er denn überhaupt was zum Fahren hatte. Der erste erreichbare Traum in die richtige Autowelt aufzusteigen war der VW. Stanimir M., aus der Gegend von Paderborn, war nach dem Krieg in Deutschland hängen geblieben, wie so viele andere der entwurzelten Kriegsopfer. Fern der Heimat. Er hatte niemanden, den er versorgen musste und seine persönlichen Bedürfnisse waren nach den Krieg nicht groß. Man lebte in kleinsten Verhältnissen. Die ländlichen Häuser hatten vielerorts noch Brunnenwasserversorgung. Badezimmer gab es nicht und man aß, was die ländliche Ernte hergab.

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Gabriela Arno
Kaefer innen
Kaefer vorn
Motor
Tools
Tuer

Bei den „Briten", die den Truppenübungsplatz in der Senne für Ihre Aufgaben übernommen hatten, fand er Arbeit, die nicht viel einbrachte, aber monatlich für stetiges Geld sorgte. In wenigen Jahren brachte es Stanimir so zu einem kleinen Vermögen, das ausreichte bei dem Paderborner VW Händler vorzusprechen und sich über die Bedingungen eines Autokaufs zu erkundigen.
Sein Geld reichte für die sparsamste Version des Käfer: Einen „STANDARD".
Standard bedeutete damals das Niveau auf dem man lebte. Keine Raffinessen der besonderen Art. Die Leute in seinem Umfeld nannten das: „ Keine Fisimatenten machen" .
Für den Käfer bedeutete das, Basismotor, obwohl in dem Jahr schon leistungsgesteigert von 24,5 auf 30PS, Getriebe unsynchronisiert, Bremsen nach bester Vorkriegsmanier mit Seilzügen vorne und hinten und der Lack eine Art wehrmachtsgrau, was man in den Anfängen des wirtschaftlichen Marketings mit dem schönen Begriff" JUPITERGRAU" bezeichnete. Ansonsten Gummimatten vorne und hinten als erkennbarer äußerer Luxus (im Krieg war Kautschuk Mangelware gewesen) und gleichzeitigem Schutz für den Unterboden, auf dem die Sitze nicht wie allgemein üblich in Schienen befestigt sind, sondern je Sitz mit zwei großen Flügelmuttern am Boden festgeschraubt werden.
Blinker gab es noch nicht. Dafür klappten beleuchtete Winker aus den B-Säulen. Auch auf einen äußeren Rückspiegel konnte man getrost verzichten. Viel Verkehr gab es nicht nach hinten zu beobachten, deshalb war das nicht zulassungsmäßig vorgeschrieben. Sonnenblenden waren mehr oder weniger der kaufbare Luxus, den man erschwinglich ordern konnte, sei es für beide, die vorne saßen, oder auch nur für den Fahrer alleine. Den Benzinstand des Tanks, der sich mitsamt Füllstutzen unter der vorderen Kofferraumhaube befand, ermittelte man mithilfe eines Holzstabs, auf dem Füllmarken eingeritzt waren. Den konnte man sich auch selbst schnitzen und somit getrost auf die Ausgabe verzichten. Ein Radio blieb selbstverständlich ein Traum. Deshalb bekam man eine geprägte Blechabdeckung, wo ansonsten das Radio hingekommen wäre. Das war bei fast allen, wenn nicht bei allen, Standards so.
Fünf Jahre fuhr Stanimir mit seinem Käfer. Im Jahre 1961 muss ihm etwas zugestoßen sein, denn in dem Handschuhfach liegt immer noch eine postalische Mahnung seiner Haftpflichtversicherung.
Im Jahre 2002 tauchte der Wagen aus der Versenkung wieder auf. Man erzählt sich, daß er die Jahre in einem offenen Schuppen auf dem Truppenübungsplatz der Briten verbracht hat. Dort gab es kein Ausschlachten oder Plündern des Wagens. Dafür sorgte die Range Control. Er war dort verschlossen abgestellt und der Wind hielt ihn trocken, so dass der Rost keine Chance hatte sich einzunisten. Das Aktivieren des Käfers machte das gewaltsame Öffnen nötig, denn die Schlüssel waren über die Jahre verloren gegangen. Die Türdichtungen klebten dermaßen fest, dass man den Eindruck hatte er sträube sich gegen das Öffnen. Ein neuer Brief wurde beantragt und der Zulassung stand nach Montage eines Außenspiegels und neuer Reifen 5.60x15 nichts mehr im Wege.

  • Der Käfer hatte 2002 eine Gesamtlaufleistung von 23.300km. Er war komplett original.
  • Die Seilzugbremsen hatten noch die Fettpackung der Auslieferung im Verteilkopf des Rahmens.
  • Die Schmiernippel wurden nach Wartungsplan satt abgeschmiert.
  • Der Motor wurde behutsam aktiviert. Zündkerzen raus und jede Menge Waffenöl in die Zylinderräume gespritzt. Wochenlang so einwirken gelassen und wiederholt. Zündkontakte erneuert und Vergaserfilteröl ausgetauscht.
  • An der Benzinpumpe war der Lagerstift rausgefallen, weshalb der Käfer sehr wahrscheinlich im Jahre 1961 zum Stillstand gekommen war. Der Stift wurde neu eingeführt und mit einem Körnerschlag gesichert.
  • Eine neue 6Volt Bosch Batterie musste gekauft werden. Es gibt sie noch in den Maßen, dass der Blechdeckel des Käfers sie nach oben hermetisch abdeckt und die Spannbandhalterung sich umlegen lässt.

So vorbereitet konnte mit angeschlossener Batterie der Anlasser geprüft werden. Ohne Zündkerzen musste er nicht gegen die Kompression an arbeiten und hatte damit leichtes Spiel. Durch minutenlanges Laufenlassen des Anlassers wurde eine Komplettschmierung des Motors gewährleistet. Die Kolbenringe konnten sich währenddessen den Zylinderlaufwänden anpassen, ohne dabei den Stress der Brennraumexplosionen über Kopf zu haben.
Nach weiteren drei Wochen Einwirkzeit, in denen die Benzinschläuche vorne und hinten, inklusiv des Benzinhahns erneuert, und der Tank gesäubert worden waren, wurde Benzin eingefüllt und neue Zündkerzen eingeschraubt. Anmerkung dazu am Rande: Der Benzinhahn brachte ein Aha Erlebnis, der besonderen Art; denn er wies Linksgewinde auf. Da braucht ein deutscher Schrauber lange, bis er sowas zerstörungsfrei gelöst bekommt.
Der Leser ahnt es schon. So vorbereitet sprang der kleine Käfer selbstverständlich ohne Murren an und lief, nein läuft und läuft und läuft und läuft.....
Bis heute habe ich ihn 7000 km gefahren und er läuft immer noch, jungfräulich frisch, ohne je geschweißt worden zu sein. Der Unterboden zeigt sich auf der Innenseite im satten schwarz seiner damals schon glänzenden Glasurit Lackierung. Sitze und Verkleidungen sind auch noch im Original vorhanden.
Leider fahre ich ihn immer weniger, denn meine Ehefrau ist wie ich der Meinung, dass der Käfer über die Jahre größenmäßig im Innenraum spürbar geschrumpft sein muss. Inwiefern das technisch möglich ist mag dahingestellt sein.
Arno Wahl

Ansprechpartner und Werkstätten die sich um luftgekühlte Käfer kümmern.

 

Sonntag, 26. Januar 2014
Jürgen Feye-Hohmann
Arno Wahl „FIVA - FAHRZEUGPASS - PRÜFER
Arno Wahl
Bildergalerie:
Arno WahlWeymanns Grenzgänger im Garten

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